Ernst-Rietschel-Mittelschule Pulsnitz:

Emotionen zwischen Schulräumung und feierlicher Einweihung

 

Zwischen diesen beiden Ereignissen liegt nur ein Jahr, ein Zeitraum, in dem sich eine marode Hundertjährige in eine strahlende Schönheit verwandelte. Und natürlich geht eine solche Metamorphose nicht emotionslos an denen vorüber, die das alles nun künftig nutzen dürfen, an den Lehrern und Schülern der Grund- und Mittelschule. Lassen wir dieses eine, für uns so ereignisreiche Jahr noch einmal im Zeitraffer Revue passieren:

 

11. Juli 2003: Letzter Unterrichtstag an der bereits völlig beräumten Mittelschule

Die Zeugnisausgabe wird wohl keiner der Lehrer und Schüler vergessen. Bänke und Stühle gibt es nicht mehr. Die Schüler der Klassenstufen 5 – 9 stehen im Klassenzimmer oder sitzen zur Entgegennahme der Jahreszeugnisse auf dem Fußboden. Sie wissen, dass sie diese alte, vertraute, stets dumpf und modrig riechende Schule so nicht mehr wieder sehen werden. In der anschließenden Dienstberatung schleicht sich trotz der Vorfreude auf eine Komplettsanierung auch bei den Lehrern etwas Wehmut ein. Unser Schulleiter spricht davon, dass „ eine Epoche zu Ende geht." Ein letzter Rundgang durch leer geräumte Klassenzimmer und schmucklose kahle Gänge lässt Erinnerungen wach werden, Emotionen aufkochen. Danach gibt jeder Lehrer seinen Schulschlüssel ab.

 

25. August 2003: Das neue Schuljahr beginnt

Der Unterricht der Pulsnitzer Schüler verläuft planmäßig und ohne größere Probleme an der Mittelschule Oberlichtenau bzw. an einer Pulsnitzer Einrichtung für die Klassenstufen 5 und 6. Von nun an verfolgen Lehrer und Schüler aufmerksam den Verlauf der Bauarbeiten an der Pulsnitzer Mittelschule. In jeder Dienstberatung steht die Sanierung unserer Schule an erster Stelle. Keiner vermag so richtig daran zu glauben, dass das gewaltige Bauvorhaben tatsächlich in einem Schuljahr zu bewältigen ist. Noch im März 2004 gleicht eine Besichtigung der Baustelle eher einem Gang durch eine Ruine. Doch immer wieder versichert uns die Bauleitung: „ Der Termin steht, wir schaffen es bis zum Schuljahresbeginn!" Und uns wird klar, welche Wahnsinnsleistungen alle Bauschaffenden hier vollbringen. Die Schulsanierung geht zügig voran.

 

9. August 2004: Rückkehr in die "alte" Schule

Ein besonderer Tag, wir nehmen unsere neue Ernst-Rietschel-Mittelschule wieder in Besitz, räumen die Unterrichtsmittel in Klassenzimmer und Fachkabinette, richten die Schulbibliothek ein. Beim Transport der Lehrmittel lernen wir die Vorzüge des Fahrstuhls schätzen. Obwohl die Gänge noch schmutzig sind und Bauarbeiter letzte Arbeiten verrichten, sind wir begeistert und fasziniert vom Umfang der Gebäudesanierung, der Ausstattung der Fachräume und Klassenzimmer, der Sanitäreinrichtungen u.v.a.m.

Herr Garten hat die Installierung der Computerkabinette beendet, dafür fast jeden Tag der Ferienzeit in der Schule gearbeitet.

Und wir beziehen unser neues Lehrerzimmer, ausgestattet mit modernem Mobiliar und Computerarbeitsplätzen. Mit einem Lächeln denken wir an unsere „alte Bude" zurück, wo die Lehrertische nur dadurch noch aufrecht standen, weil sie sich zusammengestellt gegenseitig stützten, die gesamte Einrichtung primitivstem DDR-Standard entsprach.

 

23. August 2004: Erster Schultag des neuen Schuljahres

Fröhliches Kinderlachen erfüllt die lichtdurchfluteten Gänge. Selbst die schrille Schulklingel ist einem Gong gewichen, der ähnlich wie im Kino den Beginn der „Vorstellung" ankündigt. Die Kinder sind begeistert von ihrer neuen Schule, werden aber auch zur Achtung und zum Schutz des Geschaffenen ermahnt. Denn wohl kaum eine andere Schule in Sachsen kann mit unseren hervorragenden Lehr- und Lernbedingungen konkurrieren, und das gilt es zu erhalten.

 

29. August 2004: Tag der offenen Tür

Unsere Schule wird offiziell eingeweiht. Tausende Pulsnitzer Gäste sind gekommen, das neue Schulhaus in Augenschein zu nehmen. Auch der Schulhof ist noch planmäßig fertig geworden. Die Sonne strahlt mit den Besuchern um die Wette, prominente Gäste beglückwünschen die Pulsnitzer. Und in vielen Gesprächen mit ehemaligen Schülern, Lehrerkollegen und Gästen werden Freude und Begeisterung zum Ausdruck gebracht, wird das Geschaffene gewürdigt.

Ein besonderer Anziehungspunkt ist u.a. ein Klassenzimmer, wo ständig wechselnde Bilder aus allen Bauphasen auf den Betrachter wirken. Auch das Pulsnitzer Kabelfernsehen sendet zeitgleich Videobeiträge der Schulsanierung, zeigt Bauarbeiter bei schwerster körperlicher Arbeit. Staubige Luft erschwert das Atmen, klirrende Kälte im ungeheizten Gebäude zeigt die Grenzen physischer Belastung. Und nur derjenige, der diese Filme gesehen hat, vermag sich ein wirkliches Bild vom Ausmaß der Bauarbeiten in der Rekordzeit von nur einem Schuljahr zu verschaffen.

 

Allen, die an der Sanierung und Ausstattung der Ernst-Rietschel-Mittelschule beteiligt waren, gilt unser Dank . Besonders bedanken wir uns für die konstruktive Zusammenarbeit bei Herrn Wunderlich, Amtsleiter der Schulverwaltung, bei Frau Vogel, Mitarbeiterin des Bauamtes und beim Bauleiter, Herrn Schütze.

 

Unsere Träume und Erwartungen vom Schulneubau sind nicht erfüllt, sondern bei weitem übertroffen worden. Wir sind uns der Verantwortung zum Schutz und zur Erhaltung unserer supermodernen Einrichtung bewusst.

 

Karin Fischer

i.A. Lehrerkollegium Ernst-Rietschel-Mittelschule Pulsnitz